Unsicherheit, Spannung, Aufregung…und dann saßen wir am 1.12.2021 im Flugzeug und wussten, wir fliegen tatsächlich! Es geht nach Nepal in „unser“ Kloster! Schon vor „Corona“ wollte ich – als Mitglied und Förderin – das Kunsang Choling Nonnenkloster gerne kennenlernen, doch Corona hatte alle Wünsche und Planungen zunichte gemacht. Gar nicht so einfach, von den eigenen Anhaftungen loszulassen ;-).
Dass ich nun, ganz spontan sogar mit Iris, einer der BTF-Gründerinnen fliegen und das Kloster besuchen und kennenlernen durfte, war ein besonderes, berührendes und Herz öffnendes Geschenk!
Nachdem wir uns die ersten 3 Tage in Boudhanath akklimatisiert hatten (was für ein Erlebnis morgens um 6 Uhr – einmal, zweimal, dreimal… die Stupa zu umrunden), wurden wir von Khenpo abgeholt und durften mehrere Tage im Kloster am Leben der Nonnen teilnehmen.




Wir wollten mit den Nonnen so leben, wie sie das tun. Wir haben den Tag um 5.30 Uhr mit ihnen in den Tara Pujas begonnen und um 21.30 Uhr Mantras singend oder Uno spielend beendet. Wir haben mit ihnen gegessen, gelernt, gekocht und gespielt. Ich habe versucht, die kunstvollen, tibetischen Schriftzeichen zu zeichnen ;-), nepalische und tibetische Worte zu lernen und war und bin dankbar und erfüllt, die Fürsorge, Wärme und Herzlichkeit von Lama, Khenpo und den Nonnen erleben dürfen.




Ich bin zutiefst beeindruckt. Lama Gondup, mit seiner bescheidenen, warmen und Ruhe ausstrahlenden Wärme, bietet den Mädchen und Frauen eine Zuflucht, ein Leben in Geborgenheit und Sicherheit. Hier erhalten die Kleinen und Großen die Chance auf Bildung – spirituell und weltlich. Mädchen und Frauen, die in Nepal als Menschen zweiter Klasse gelten – unfassbar!!! – bekommen hier eine zukunftsweisende Chance – entweder im Kloster, im spirituellen oder weltlichen Leben.


Tage im Kloster – geprägt durch Disziplin, Zusammenhalt, Eifer und Freude
Der Tagesablauf der neunundfünfzig Nonnen im Alter von 5 bis 78 Jahren ist von Disziplin, Zusammenhalt, Eifer und Freude geprägt. Zwischen dem Wecken des Gongs um 4.45 Uhr und der Schlafenszeit um 22.00 Uhr liegen 7 Stunden Unterricht, morgens in tibetisch, nepalisch und buddhistischer Philosophie. Nach der Mittagspause unterrichten unsere fünf jungen und engagierten Lehrerinnen Mathematik, Englisch, Natur- und Sozialwissenschaften. Drei Pujas am Tag und natürlich das Essen – für die Jüngeren gemeinsam im Speisesaal, für die älteren Nonnen in deren Zimmer oder draußen – Respekt! Freizeit gibt’s nur am Sonntag. Denn samstags ist nach dem Vormittagsunterricht Waschen, Putzen und Aufräumen angesagt.
Die älteren Nonnen helfen in der Küche oder dem Garten mit. Einige habe auch größere Verantwortung übernommen, wie z.B. die Einhaltung von Regeln, die Vorbereitung und Durchführung der Pujas, die Sorge um die kleinen oder größeren Wehwehchen oder Krankheiten…




Bald ist es soweit – das Buddha Tara Gästehaus
Ganz gespannt waren wir außerdem auf unser Gästehaus, dessen Baufortschritt durch Corona in einen Dornröschenschlaf gefallen war. Völlig überrascht durften wir feststellen, dass die Bäder und die Küche schon fertig sind. Begeistert machten wir uns mit Khenpo auf, die Farbe, die Bodenbeläge, die Leuchten und die Möbel auszusuchen. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden dort die ersten Gäste übernachten, und die Nonnen bekommen die Möglichkeit, sich selbstverantwortlich darum zu kümmern und zusätzliche Einnahmen zu generieren.



Und die zukünftigen Gäste werden einen Aufenthalt genießen, der das Herz tief berührt…so war es für uns.

Der Abschied fiel schwer, doch wie Lama Gondup und Khenpo sagten: „Im Herzen sind wir verbunden, egal wo sich unsere Körper befinden.“ Ich trage die Menschen, Begegnungen und Erlebnisse im Herzen und wünsche allen, dass sie gesund bleiben mögen und wir uns bald wiedersehen!
THUK-JE-CHE!