98Mehr als ein halbes Jahr nach dem schweren Erdbeben in Nepal führten mich meine Projektarbeiten wieder nach Kathmandu. Oberflächlich gesehen hat sich nicht viel verändert – viel Verkehr und eine geschäftsmäßige Lebendigkeit. Der Eindruck täuscht, hatte die Bevölkerung in den vergangenen Monaten doch viel Leid zu ertragen. Im April und Mai 2015 die schweren Erdbeben und dann im darauffolgenden Herbst die Grenzsperrung von und nach Indien. Aufgrund von innernepalischen Unruhen konnten keine Trucks aus Indien einreisen. Für die Fahrer war der Weg zu gefährlich – für die nepalische Bevölkerung jedoch lebensbedrohlich, ja wie einige meinten, noch schwerer als das Erdbeben zu bewältigen. Monatelang nahezu kein Benzin, keine Gasflaschen, die von Indien nach Nepal geliefert werden konnten. Mit dramatischen Folgen. Der Verkehr kam zum Erliegen, Kraftwerke konnten nicht in Gang gesetzt werden, und der Strom wurde knapp. Aber am schlimmsten war das fehlende Gas. Gerade zur kalten Winterszeit konnte kaum gekocht werden, die Bevölkerung musste auf Holzöfen umstellen. Was das für die Umwelt und für die Menschen bedeutete, kann man sich kaum vorstellen. Der Schwarzmarkt blühte. Ein Liter Benzin wurde bis zu 6 € teuer, der Preis der Gasflaschen stieg um mindestens 500 %. Die Ärmsten wurden noch ärmer.
Das alles hatte natürlich auch Auswirkungen auf unser kleines Kloster im Kathmandu-Tal, das wir mit dem Buddha Tara Förderkreis unterstützen. Auf einem der Fotos können wir eine Holzfeuerstelle erkennen, die unser Lama selbst gebaut hatte.

Lama Gondup vor seinem Holzfeuer-Herd, Brennholz
Improvisation ist der ständige Begleiter im Leben der Menschen in Nepal. Die ersten Renovierungsarbeiten gingen in den vergangenen Monaten gut voran, die Sprünge sind fast nicht mehr sichtbar, und um das Wohnhaus der Nonnen wurde eine kleine Betonstützmauer gebaut.

Sanierte Hausmauer, sanierte Wand, Stützmauer um das Wohngebäude
Leider zeigten sich jedoch erste kleine neue Risse, die einen Tag vor meiner Ankunft entstanden waren. Gab es doch wieder ein Erdbeben der Stärke 5,0 auf der Richter-Skala. Viele scheinen schon traumatisiert zu sein, hören die Beben bis jetzt nicht auf, und die Angst vor einem noch größeren steigt.

Lama Gondup: sorgenvoller Blick
Die große Stützmauer muss noch repariert werden und auch die Gompa, vor allem die oberen Stockwerke harren der großen Sanierung, obwohl erst vor einem Jahr im Rohbau fertiggestellt.

Stützmauer, noch zu sanierende Hauptmauer.
In der Haupthalle der Gompa sind die vorderen Wandmalereien beendet, und die Fußbodenplatten warten auf die Verlegung.
Alles scheint einer Sisyphos-Arbeit gleich, doch mit buddhistischer Gleichmut und dem Leben in Vergänglichkeit werden die Mönche und Nonnen all diese Probleme bewältigen.
Lama Gondup und Khenpo Karma Yeshe betonen immer wieder die Wichtigkeit und langjährige Treue in der Unterstützung durch den Buddha Tara Förderkreis. Das schafft Planungssicherheit und Kontinuität auch in schweren Zeiten. Dafür soll ich den Dank an alle Mitglieder, Förderer und Paten weitergeben.
Wolfgang Grader

