Der Gründer und seine Vision
Ven. Lama Gondup wurde als Sohn armer Eltern in einem Dorf im Distrikt Mugu geboren. Mugu, im Himalaya an der Grenze zu Tibet, ist einer der entlegensten und auch heute noch am wenigsten entwickelten Distrikte Nepals. In jungen Jahren verlor er seine Eltern und seinen älteren Bruder. Nun führungslos verließ er seine Heimat und begab sich mit seinem jüngeren Bruder auf eine lange, gefährliche Wanderschaft. Eines Tages hatte er die Gelegenheit, in Kathmandu S. H. Dudjom Rinpoche zu treffen. Er war einer der führenden Gelehrten und Meditationsmeister Tibets, den man als lebenden Repräsentanten Padmasambhavas betrachtete. Von ihm erhielt Lama Gondup viele Einweihungen und wichtige Unterweisungen zu religiösen Texten. Er begab sich auf Pilgerschaft in Indien und unternahm die mühevolle Reise nach Rewalsar. Diese kleine Stadt, gelegen am Rewalsarsee (tibetisch Tso Pema), ist ein heiliger Ort für Buddhisten, Hindus und Sikh, und um den See befinden sich Klöster dieser Religionen. Lama Gondup legte dort die Mönchsgelübde ab. Ein besonderes Ereignis war die Begegnung mit Khunu Rinpoche Tenzin Gyaltsen. Lama Gondup erkannte ihn als seinen Meister und erhielt von ihm viele essentielle Belehrungen.
So inspiriert zog sich Lama Gondup in die Berge bei Rewalsar zurück, um an einem einsamen Ort viele Jahre die Lehren des Buddha zu studieren und in der Meditation zu vertiefen, was er gelernt hatte. Nach nahezu zwei Jahrzehnten verließ er die Einsamkeit seiner Höhle. Während eines Vortrags S.H. des Dalai Lama in Manali (Indien) wurde ihm bewusst, wie unterprivilegiert und verarmt seine Landsleute in seiner Heimat Mugu aufgrund mangelnder Schulbildung und des weit verbreiteten Analphabetentums lebten. Das ließ ihn aktiv werden, und er gründete nahe Manali eine Schule speziell für Kinder aus dieser Region. Diese kleine Schule existiert bis heute. In Kathmandu entstand die weiterführende, sehr erfolgreiche Kailash Bodhi Secondary School mit mehr als 900 Schülern.
Lama Gondup hatte aber die Vision, mittellosen Mädchen aus den Grenzregionen zwischen Nepal und Tibet, die der tibetisch-buddhistischen Tradition angehören, eine Ausbildung zu ermöglichen und sie so auf einen Weg zu Eigenverantwortung und Selbständigkeit vorzubereiten. Deshalb gründete er das Nonnenkloster Kunsang Choling. Es geht ihm bis heute dabei nicht nur um religiöse Inhalte. Ebenso wichtig ist es ihm, über die gesellschaftlichen Verhältnisse und deren Ursachen aufzuklären. Außerdem möchte er den Mädchen vermitteln, in keinem Lebensbereich minderwertig zu sein und benachteiligt bleiben zu müssen.
